Heiligabend - MBSR Achtsamhochdrei
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Heiligabend

Das Überraschungsmenü

Im letzten Monat fuhr ich mit dem Zug nach Freiburg, um ein Seminar zu besuchen. Ich war schon sehr zeitig am Bahnhof angekommen und musste noch eine Stunde auf den Transfer ins Seminarhaus warten. Um diese Zeit zu überbrücken ging ich zu McDonald´s und wollte mir ein Eis und einen Kaffee bestellen. Die Mitarbeiterin bei McDonald´s teilte mir leider mit, dass die Eismaschine defekt sei und ich darum kein Eis bekommen könnte. Also nahm ich nur meinen Kaffee und setze mich in dem bereits ziemlich gut gefüllten Restaurant an einen Tisch mit zwei gegenüber liegenden Bänken.

Als ich so da saß und meinen Kaffee trank, kam ein Mann mittleren Alters zu mir und fragte, ob er sich zu mir setzen dürfe. Er hatte ein Tablett gefüllt mit Pommes, Burger und einem Getränk.

Sein Äußeres war sehr ungepflegt, seine Haut hatte schon lange kein Wasser und keine Seife mehr gesehen und auch seine Kleidung sah recht unansehnlich aus. Mir kam es so vor, als sei er obdachlos.

Er setzte sich zu mir an den Tisch und aß ganz in Ruhe sein Menü. Wir schwiegen bereits eine ganze Weile, als er mich mit der Frage überraschte, ob ich etwas von seinen Pommes mitessen mochte. Ich lehnte ab, weil ich einerseits keinen Appetit auf Pommes hatte und mir andererseits auch sein Äußeres zu ungepflegt erschien, um gemeinsam mit ihm von einem Tablett zu essen.

Ich erzählte dem Mann, dass ich eigentlich ein Eis essen wollte, doch die Eismaschine defekt sei. Er hatte den Grund für mein fehlendes Eis anscheinend nicht verstanden und fragte, ob er mir ein Eis kaufen sollte. Ich war innerlich berührt. Der Mann der wahrscheinlich auf der Straße lebte, kaum Geld hatte und für den es etwas Besonderes war, im Schnellrestaurant zu essen, wollte mir ein Eis kaufen!

Ich war innerlich sprachlos und erwiderte freundlich: „Vielen Dank, es ist sehr nett von Ihnen, dass Sie das für mich machen würden, aber die Eismaschine ist defekt.“ Er fragte daraufhin: „Wollen Sie nicht stattdessen doch etwas von meinen Pommes mitessen?“ Ich verneinte ein zweites mal und wir beide saßen uns noch eine zeitlang in Stille gegenüber. Nach etwa einer viertel Stunde verabschiedete ich mich, wünschte ihm noch einen schönen Tag, nahm meinen Koffer und setzt mich in die Wartehalle des Bahnhofs, um auf den Transfer zu warten.

Noch heute bin ich diesem Mann sehr dankbar für diese wundersame Situation. Immer wieder muss ich an diese absichtslose, mitfühlende Begegnung denken, die mir bewußt machte, dass es nicht viel braucht, um Menschlichkeit erfahren zu können. 

Ich wünsche euch ein wunderbares, liebevolles Weihnachtsfest.

Alles Liebe!

Kirsten

1 Comment
  • Bernhard Hunn
    Posted at 22:14h, 05 Januar Antworten

    Liebe Kirsten,
    Eine schöne Weihnachtsgeschichte.
    So etwas kann man nur erleben, wenn man achtsam genug ist, es auch zu sehen.
    Das sind die kleinen Momente, die das Herz berühren.
    So auch die Aussage von Gorch Fock:
    Man kann das Leben weder verlängern noch verbreitern,
    man kann es nur vertiefen.
    Viele Grüße
    Bernhard

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